Energieausweis verstehen: Leitfaden für Eigentümer und Mieter

Folge 2: Wozu brauche ich einen Energieausweis?

Zuletzt aktualisiert: • Lesezeit: ca. 3-4 Minuten

1. Zweck des Energieausweises

Der Energieausweis zeigt die energetische Qualität eines Gebäudes und ermöglicht eine Einschätzung der künftig zu erwartenden Heizkosten. Dadurch werden Gebäude energetisch vergleichbar, ein Vorteil für Miet- und Kaufinteressierte ebenso wie für Eigentümer.

2. Nutzen für Mieter und Kaufinteressierte

Heizkosten gelten heute oft als „zweite Miete“ und beeinflussen die Wohnkosten erheblich. Da Energiepreise voraussichtlich weiter steigen, ist die energetische Effizienz eines Gebäudes ein wichtiger Entscheidungsfaktor.

Der Energieausweis hilft dabei:

  • den Energiestandard eines Gebäudes vor Vertragsabschluss einzuschätzen,
  • Heizkosten verschiedener Gebäude miteinander zu vergleichen,
  • die Auswahl einer Immobilie auf einer verlässlichen Informationsbasis zu treffen.

Vermieter bzw. Verkäufer sind verpflichtet, den Ausweis bereitzustellen. Er schafft Transparenz, eine wichtige Grundlage für die Entscheidung zwischen verschiedenen Objekten.

3. Energieeffiziente Gebäude – was bedeutet das?

Es existieren zahlreiche Bezeichnungen für energieeffiziente Gebäude (z. B. Niedrigenergiehaus, 3-Liter-Haus, Passivhaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus). Sie unterscheiden sich vor allem in ihrem Heizwärmebedarf und der Gesamtenergiebilanz.

Beispiele:

  • Niedrigenergiehaus: ca. bis zu 70 kWh/m²a Heizwärmebedarf
  • Passivhaus: maximal 15 kWh/m²a Heizwärmebedarf
  • Null- und Plusenergiehäuser: erzeugen im Jahresmittel so viel oder mehr Energie, als sie benötigen (nicht zwingend autark)

Moderne Standards berücksichtigen zusätzlich den Primärenergiebedarf und den Endenergiebedarf, die Aussagen über den Brennstoffbedarf und somit über die Heizkosten ermöglichen.

4. Heizkosten aus dem Energieausweis abschätzen

Im Energieausweis wird der Endenergiebedarf angegeben, sowohl als Kennzahl als auch getrennt nach Energieträgern (z. B. Gas, Öl, Pellets).

Zur groben Heizkostenabschätzung gilt:

  1. Endenergiebedarf / Heizwert des Brennstoffs = Brennstoffmenge
  2. Brennstoffmenge × aktueller Brennstoffpreis = Vergleichswert der Heizkosten

Wichtig: Ein niedriger Endenergiebedarf führt nicht automatisch zu niedrigen Heizkosten, dies hängt auch vom gewählten Energieträger ab. Die Preise der Energieträger unterscheiden sich deutlich.

Tab.: Energieinhalt der wichtigsten Brennstoffe
Energieträger Mengeneinheit Heizwert (kWh / Einheit)
Leichtes Heizöl Liter (l) ≈ 10 kWh / l
Erdgas H Kubikmeter (m³) ≈ 10 kWh / m³
Buche / Eiche (Scheitholz) Ster ≈ 2000 kWh / Ster
Fichte / Tanne (Scheitholz) Ster ≈ 1500 kWh / Ster
Holzpellets Kilogramm (kg) ≈ 5 kWh / kg

5. Nutzen für Eigentümer

Für Eigentümer bietet der Energieausweis mehrere Vorteile:

  • Er verbessert die Vermarktung energieeffizienter Gebäude und kann höhere Mieteinnahmen bzw. einen höheren Marktwert ermöglichen.
  • Über die Modernisierungsempfehlungen liefert er wertvolle Hinweise zur energetischen Verbesserung des Gebäudes.
  • Die Analyse kann Grundlage für weitere Energieberatungen sein, z. B. zur Bewertung wirtschaftlicher Sanierungsmaßnahmen.

6. Gebäudenutzfläche (AN)

Zur Vergleichbarkeit werden Energiekennzahlen auf eine einheitliche Bezugsgröße, die Gebäudenutzfläche AN, bezogen.

Laut GEG ist die Energiebezugsfläche die so genannte Gebäudenutzfläche AN, eine fiktive Fläche, die sich aus dem beheizten Volumen und der durchschnittlichen Geschosshöhe des Gebäudes ergibt.

Die AN einer einzelnen Wohnung lässt sich aus dem Ausweis nicht direkt ableiten, da Energieausweise immer für das gesamte Gebäude ausgestellt werden.

7. Das Wichtigste im Überblick

  • Warum ein Energieausweis? Er macht die energetische Qualität eines Gebäudes vergleichbar.
  • Vorteile für Miet- und Kaufinteressierte: Erwartbare Heizkosten lassen sich vorab einschätzen und in die Entscheidung einbeziehen.
  • Heizkostenabschätzung: Endenergiebedarf ÷ Heizwert × Brennstoffpreis × Gebäudenutzfläche = grober Heizkostenwert.
  • Vorteile für Eigentümer: Bessere Vermarktung energieeffizienter Gebäude und Hinweise für energetische Verbesserungen.

Im nächsten Beitrag dieser Serie geht es um Pflichten bei Verkauf, Vermietung, Neubau und Sanierung; Ausnahmen; Anforderungen an öffentliche Gebäude; Weiterverwendung älterer Energiepässe; Fristen und Übergangsregelungen laut GEG: Folge 3: Wann wird ein Energieausweis benötigt?

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